Bend & John Day Fossil Beds

Der Tag beginnt vorerst gut. Später stellen sich Bäume und Schlangen in den Weg, aber der Reihe nach.

Wir sind bei Walter und Melitta zum Frühstück geladen, der Tisch ist wie auch gestern bei Liz reich gedeckt. Das ist praktisch Urlaub vom Urlaub, eine tolle Sache. Neben dem Frühstück wird natürlich auch noch über die Heimat (Wien) und was sich sonst noch tut auf der Welt geplaudert. Um 9:00 brechen wir mit dem Ziel Painted Hills auf. Doch wir kommen nicht sehr weit da stellt sich uns ein Baum, bzw. dessen Äste in den Weg. Wir hören es ein wenig rumpeln schenken dem aber wenig Bedeutung. Kurz darauf an der Tankstelle sehe ich aber mehr zufällig, dass von einer Dachluke ein Stück weghängt. Oje! Was nun? Kurz beim RV Vermieter angerufen, aber da erreiche ich niemand. Mein Appfel (I-Phon) hilft mir da aber weiter. Wir finden einen RV Store, der auch Reparaturen durchführt. 7 Meilen als nicht allzu weit weg und außerdem direkt an unserer Route. Der erste RV Store ist zwar riesengroß, hat aber weder in der Werkstätte für uns Zeit, noch hat er das Teil lagernd. Aber seiner Meinung nach ist das alles kein Problem, denn die nächsten Tage ist kein Regen vorhergesagt und in Boise bekommen wir das Teil ganz sicher. Bis dahin sind es aber noch 4 Tage.

Also suchen wir den nächsten RV Store auf. Viel kleiner und siehe da, der hat das Teil lagernd und für die prompte Montage verlangt er nicht einmal etwas. 23$ für die Luke und 10$ Trinkgeld für die rasche und professionelle Montage und die Sache ist erledigt.

Weiter geht es Richtung John Day Fossil Beds erst auf der 97, dann auf der 126 und schlussendlich auf der 26. Hier ist die Landschaft schon wieder deutlich anders. High Dessert, überall wo nicht bewässert wird, wächst nicht viel. Aber es wird sehr viel bewässert und dadurch ist das Tal doch sehr grün. Viele Rinder und auch viele Pferde sind auf den Weiden unterwegs.

Im Vorbeifahren sehen wir eine große Rinderherde und einige Cowboys auf Pferden, die die Rinder irgendwie zusammentreiben. Das müssen wir genauer sehen. Bei der nächsten Möglichkeit machen wir einen U-Turn (nein nicht mit der Handbremse) und sehen uns das Treiben genauer an. Die Rinderherde hat viele kleine Kälber und die sind das Ziel der Aktion. Die Kälber werden geimpft und mit einem heißen Eisen gebrandmarkt. Die Cowboys machen das, wie es sich gehört mit dem Lasso. Zuerst wird das Kalb von der Herde separiert, dann mit einem Lasso um den Hals gefangen. Dann kommt der zweite Cowboy und fängt sich wieder mit einem Lasso einen Hinterfuß des Kalbes. So wird es nun zu jener Stelle gebracht wo es geimpft und markiert wird. Der ganze Vorgang dauert so ca. 2-5 Minuten und wird von der Mutterkuh ständig mit großer Sorge beobachtet. Einschreiten traut sie sich aber nicht. Die Cowboys sind offenbar Vollprofis. Mit großem Überblick und einer gewissen Lässigkeit geht man an die Sache. Einer der Jungs hat eine Zigarre im Mund, aber offenbar noch keine Zeit gehabt diese anzuzünden. Wir beobachten das Treiben eine ganze Weile und dann kommt ein Cowboy mit seinem Pferd zu uns und fragt wie es uns gefällt. Ein nettes Gespräch ergibt sich und danach fahren wir mit einem besonderen Erlebnis mehr wieder weiter.

Unser nächstes Ziel sind die Painted Hills. Die Landschaft verändert sich und es tauchen rot und gelb „bemalte“ Hügel auf. 2 kurze Trails verschaffen einen tollen Überblick über dieses eigenartige, uralte Naturphänomen (die Hügel sind vor 30 Millionen Jahren entstanden). Ein weiterer Teil der John Day Fossil Beds liegt etwa 35 Meilen entfernt. Im Thomas Condon Paleontologie Center bekommt man einen Einblick in die Arbeit der Wissenschafter und kann Fossile Funde bewundern, wir halten uns jedoch nicht lange dort auf, der Tag ist sommerlich und ein kleiner Spaziergang könnte uns nicht schaden, also auf zu den Trails. Zwei stehen zur Auswahl- wir wählen den 3 Meilen Weg und glauben der Zeitangabe mit den 2,5 Stunden nicht ganz, wir vermuten das ist für die Halbschuhtouristen. Der Weg schlängelt sich mal mehr mal weniger bergauf, die Sonne scheint, der Abgrund rechts von uns wird immer tiefer und noch immer geht’s bergauf. Die Ausblicke sind beeindruckend, weit und breit keine Menschenseele, ab und zu kreist ein Vogel über uns, sonst nur Stille. Irgendwann haben wir den höchsten Punkt erreicht, einer kann die Aussicht genießen, die andere fürchtet sich vorm Abstieg-gut dass der Kniestrumpf oben ist. Das Knie hält, jedoch etwas anderes zwingt uns zu einer kurzen Pause. Vermutlich eine Western Rattlesnake versperrt uns den Weg. Die Schlange war zwar noch sehr klein, aber nachdem man nie weiß, mit wem man es da zu tun hat versuchen wir sie mit sanften Mitteln zu vertreiben. Aufstampfen, ein bisschen Sand auf sie kicken, aber sie bleibt wo sie ist, einen langen Stock gibt es hier weit und breit nicht, also warten wir. Irgendwie wird es ihr dann auch zu dumm und sie verschwindet im Gras und gibt uns den Weg frei und wir können mit noch einem beeindruckenden Erlebnis zurück zum Wohnmobil.

Es ist nun höchst an der Zeit sich auf den Weg nach John Day zum Campingplatz zu machen. In der Abendsonne wirkt das weite Land noch beeindruckender. Am John Day River beobachten wir noch ein Deer (Reh) welches im Fluss steht. Es macht einen eher ängstlichen Eindruck. Mit meinem Teleobjektiv kann ich auch sehr bald den Grund ausmachen. Im Gebüsch wartet jemand auf sein Abendessen. Ein Bobcat (eine Luchsart). Nach einigem Zögern springt das Deer dann doch vom Fluss auf das dicht bewachsene Ufer. Wer von den beiden die bessere Strategie hatte konnten wir nicht beobachten.

Nach einigem Herumsuchen finden wir den CG, allerdings ist der nicht sehr attraktiv und auch voll, also einige Meilen zurück, da war doch auch ein Platz. Es ist schon spät und wir fallen müde nach einem ereignisreichen Tag ins Bett.